Der Baron und seine Doktorarbeit

Es scheint, als hätte sich Guttenberg genug Auszeit gegönnt und geht wieder in Angriff über. Verhalten verhält er sich zwar, aber irgendwie scheint er wieder recht angriffslustig zu sein, zumal er unter anderem die Universität als parteiisch bezeichnet, die sich eigentlich lange wohlwollend ihm gegenüber verhalten hat.

Interessant ist natürlich auch seine Aussagen zu seiner Doktorarbeit.

SPIEGEL ONLINE gibt ein kleinen Überblick über seine Interviewantworten aus seinem neuen Buch, dessen Erscheinen verdächtig zeitnah mit dem verkünden des Urteils über sein Plagiat liegt.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800600,00.html

 

 

  • „Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas zu meinem Thema passt, habe ich es ausgeschnitten oder kopiert oder auf Datenträgern sofort gespeichert oder direkt übersetzt.“


Sammeln ist ja in Ordnung, nein sogar notwendig, aber wenn man nicht gleich von Anfang an einigermaßen korrekt arbeitet, muss man sich nicht wundern, wenn man am Schluss nicht mehr weiß wo man steht. Ob man das als Entschuldigung für eine schlechte bzw. teils abgekupferte Arbeit annehmen kann ist mehr als fraglich. Es zeugt dann einfach von Unfähigkeit wissenschaftlich zu arbeiten.




  • „Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträgern verteilt hat. Ich habe für jedes Kapitel eine Diskette angefertigt, ich habe unterschiedliche Ordner angelegt, ich habe über die Jahre hinweg auf vier unterschiedlichen Computern gearbeitet, die an unterschiedlichen Orten waren.“


Nun, man mag es noch nachvollziehen, dass man an vier unterschiedlichen Computern arbeitet, aber 80 Datenträger? Und noch mit Disketten? In dieser Zeit waren diese schon ein aussterbendes Medium und die zuverlässigsten auch nicht. Zumal man CDs hätte benutzen können. Später auch USB-Sticks, die sich jemand wie Guttenberg hätte locker leisten können. Aber man muss sich fragen, was diese Aussage überhaupt mit seinem wissenschaftlichen Arbeiten zu tun hat. Will er hier sein unorganisatorisches Arbeiten als Entschuldigung vorschieben? Wieder das gleiche. Es ist einfach keine Entschuldigung.



  • „Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war, insbesondere beim Zusammenfügen dieser Bruchstücke. „


Wurde eigentlich schon oben genannt. Wer von Anfang an richtig arbeitet, wird damit später keine Probleme haben. Technisch war es eigentlich mit den damaligen Textverarbeitungsprogrammen schon möglich Quellen bzw. deren Passagen kenntlich zu machen. Wieder kann man es nicht als Entschuldigung hinnehmen. Eigentlich zeigt es nur ein Bild eines überforderten Menschen, der scheinbar nicht mehr so viel Ahnung hatte von dem was er tat.

 

 

  • „Die sorgfältige Detailarbeit, gerade das korrekte Einarbeiten und Zitieren fremder Quellen, ist wiederholt unterblieben. Diese Arbeiten hätten niemals unter Zeitdruck stattfinden dürfen.“

 


 

Da gerade das ein Hauptpunkt einer wissenschaftlichen Arbeit ist, sieht er hier mehr oder weniger selbst ein. Man mag sich zwar zunächst fragen, wo denn der Zeitdruck herrschte, wenn er in einer Zeit von 1999 bis 2006 an seiner Doktorarbeit arbeitete. Der kam seiner Aussage nach durch die Mehrbelastung von Doktorarbeit, Familie und Politik zu Stande. Aber auch hier muss man sich ernsthaft fragen warum er dann die Arbeit geschrieben hat, wenn für ihn die Doppelbelastung nach eigenen Aussagen absehbar war. Und er sich dann 2001 entschieden hat in die Politik einzutreten obwohl schon die Doppelbelastung herrschte.

Im Allgemeinen kommt man durch seine Aussagen auf den Schluss, dass es für ihn einfach nicht möglich war wissenschaftlich zu arbeiten, wie es eigentlich jeder Student lernt. Ergo hätte er nie mit dieser Doktorarbeit anfangen sollen. Das hätte ihm wohl viel Ärger erspart, aber das sagt er ja auch selbst: "Ich habe mit dem Abfassen dieser Doktorarbeit die, noch mal, denkbar größte Dummheit meines Lebens begangen."


Letztendlich bekommt man das Gefühl, er wollte den Titel, aber gleichzeitig wollte er sich nicht mit Details rumschlagen. Er hat erhebliche handwerkliche Fehler gezeigt und gemacht, aber das Gefühl er zeige Reue kam nie wirklich auf. Nicht bei seinem Rücktritt und nicht jetzt. Die Umfragewerte zeigen auch eher darauf hin, dass Guttenberg eher weniger tragbar ist. Und in seinen Aussagen über seine Doktorarbeit spiegelt sich auch seine Arbeit als Politiker wieder. Dort hielt er es gleich. Große Pläne, große Reden, große Ideen, aber mit den Details wollte er sich nie beschäftigen. Die Parallelen  zwischen seiner Doktorarbeit bzw. fehlendem wissenschaftlichen Arbeiten und seiner politischen Arbeit lässt eine Frage nicht ganz unbeantwortet: Taugt Guttenberg für die Politik?