Quo Vadis Trumperika

Am Dienstag ist es soweit, Amerika wählt. Amerika wählt erneut einen Präsidenten, dem politische Gepflogenheiten recht wenig interessieren. Oder Amerika wählt einen Präsidenten, der eine lange politische Karriere hinter sich hat und schon Vizepräsident war. Es ist aber nicht nur eine Wahl die Amerika betrifft. Die Wellen werden wahrscheinlich weit und lange schlagen.

Es ist selbstredend, dass eine Wahl zum amerikanischen Präsidenten mit Spannung verfolgt wird. Wer wird die Geschicke des Landes steuern und damit auch Weltpolitik entscheidend mit prägen können? Am Dienstag ist es wieder soweit und Amerika wird einen neuen Präsidenten wählen. Diesmal wird es eventuell eine Schicksalswahl für die ganze Welt, wie nie zuvor.
Die Wahl am Dienstag wird die Weichen für vieles stellen. Im Land selber, aber auch für die ganze Welt. Es wird sich zeigen, ob Amerika einen Weg wählen wird, welcher zu einer weiteren Spaltung des Landes führen wird und Lager sich tief unversöhnlich gegenüber stehen werden. Fraglich bleibt allerdings auch, ob Biden, im Falle eines Sieges, danach wie angekündigt die Versöhnung schaffen wird. Die Causa Trump ist lang und wird auch über die Wahl hinausgehen, egal ob er gewinnt oder verliert. Es muss viel gekittet werden, innen- wie außenpolitisch.
Für Amerika selbst ist es auch ein weiterer Test der Stärke der Demokratie und wie weit sich die Amerikaner in ihrem Dualismus Republikaner und Demokraten verrannt haben. Wenn die politischen Lager überwiegend mit dem Leitspruch agieren: Hauptsache gegen die andere Partei. In einem Zweiparteiensystem wie in den USA wird es zu immer tieferen Gräben führen, sollte es einen polarisierenden Präsidenten wie Trump geben.
Aber das ist nicht alles. Wird Trump wiedergewählt, ist es ein Siegeszug der rechten Bestrebungen, die mit Unwahrheiten Kapital schlagen. Wenn Unwahrheit zur Wiederwahl führt, was ist dann überhaupt die Wahrheit noch wert?
Man kann durchaus behaupten Trump ist wissenschaftsfeindlich. Resultate aus der Wissenschaft, die ihn nicht interessieren oder nicht in sein Weltbild passen, werden ignoriert oder so umgedreht, dass sie sich “gut” anhören. Wissenschaftler machen keine Politik und sollten auch keine Politik machen und entscheiden. Politik obliegt immer noch den Politikern. Aber Wissenschaftler dienen als Entscheidungshilfe. Aber das sich in Amerika einige Wissenschaftler gegen eine Wiederwahl von Trump ausgesprochen haben spricht Bände.
Daher wird seine Ab- oder Wiederwahl entscheidend für die Zukunft von Klimapolitik sein. Öffentlichkeitswirksam hat er den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen erklärt. Bleibt er weitere vier Jahre wird es ein noch schwerer Kampf gegen die Klimaerwärmung. Gleiches gilt für Abkommen aus denen er ebenfalls ausgestiegen ist.
Das Trump an diesem Dienstag verliert ist alles andere als gesichert. Oder das er sein Amt aufgeben wird. Er kokettierte schon oft genug damit, vielleicht bleibe er ja länger. Sogar länger als die maximal erlaubten zwei Amtsperioden. Er liebt es wahrscheinlich von seinem politischen Gegner Diktator genannt zu werden. Insgeheim wäre er das wahrscheinlich gern. Seine internationalen Auftritte lassen nicht wenig Spielraum dafür wie er sich gerne sieht - als starker Mann. Er führt Amerika mehr wie ein Familienunternehmen. Er ist ein Chef, der seinen Sessel nicht freiwillig räumen wird.
Die Angst ist groß, dass er bleibt. Im Vorfeld wurden schon Planspiele durchgespielt, sollte er an der Macht kleben bleiben. Trump hat seit Monaten diese Wahl in Misskredit geführt. Die Briefwahl attackierte er immer hart und führte mit seinem (Personal-) Management dafür, dass die Post unterversorgt ist. Das einzige Ziel von Trump ist Chaos und Chaos könnte ihm nutzen. Vor allem dann, wenn er sich vorzeitig zum Sieger erklärt. Republikaner wählen eher traditionell, Demokraten eher per Briefwahl. Das Kalkül sich zum Sieger zu erklären, während noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind. Oder er annulliert die Wahl gleich ganz, wegen Corona, wegen einer “manipulierten” Briefwahl oder wegen allem gleichzeitig. Ganz nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.
Wie groß die Unsicherheit und die Angst vor Chaos am Wahlabend ist, sieht man in Washington selbst. Dort verbarrikadieren sich Geschäfte aus Angst vor Unruhen. Eigentlich unvorstellbar in einem demokratischen Land.