Methan und der Teufel im Detail

Erdgas soll als saubere Energiequelle eine Brückentechnologie darstellen, damit der Übergang anderer fossiler Brennstoffe zu neuen Energieträgern klimaschonender vollzogen werden soll. Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht, erzeugt beim Verbrennen im Vergleich zu Kohle weniger CO2, ist aber selbst ein Treibhausgas.

Das der Ausstoß von CO2 reduziert werden muss ist unbestritten. Gelangt es erst einmal in die Atmosphäre sorgt es im langjährigen Mittel für einen Temperaturanstieg. Deswegen ist ein Ausstieg aus der Kohlekraft ein hohes Anliegen einiger Umweltschützer. Allerdings muss dafür eine passende Technologie her. Erdgas als alternativer Energieträger erscheint hier sinnvoll, da es beim Verbrennungsprozess weniger CO2 erzeugt, als beispielsweise Kohle. Da es aber immer noch ein fossiler Brennstoff ist, der CO2 ausstößt soll es nur eine Brückentechnologie sein, die auch irgendwann mal durch erneuerbare Energien ersetzt wird. Das Ziel lautet schließlich: CO2-Neutralität.

Das klingt eigentlich toll, wenn Erdgas bzw. Methan beim Verbrennungsprozess weniger CO2 erzeugt und somit weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt. Auf den ersten Blick erscheint es also wie eine schöne und nützliche Brückentechnologie, damit die CO2 Emissionen runter gefahren werden können. Aber der Teufel steckt im Detail.

So einfach ist es leider nicht, da Methan selbst ein Treibhausgas ist, welches sogar wirksamer als CO2 ist. Von daher ist es wichtig nicht nur den Verbrennungsprozess und dessen Emissionen zu betrachten, sondern auch den ganzen Transportweg von Erdgas. Entstehen zum Beispiel bei der Förderung und beim Transport Lecks, gelangt Methan in die Atmosphäre und kann dort als Treibhausgas wirken. Also ist eine Überwachung von der Förderung bis zur Verbrennung notwendig.

Diese Emissionen (z.B. aus Lecks) haben nun Forscher für Nordamerika bemessen. Das Ergebnis ist weniger erfreulich. Zwar gibt es bereits eine Abschätzung durch die EPA (amerikanischen Umweltbehörde) wie viel Methan in der ganzen Versorgungskette emittiert wird, aber wie sich in der neuen Studie herausstellte ist diese Abschätzung wohl um 60% zu niedrig. Die Ersteller sehen zum Beispiel als möglichen Grund, dass abweichende Betriebsbedingungen in der Bemessung der EPA nicht berücksichtigt werden.

Diese zusätzlichen Emissionen von Methan können nun zu einer erhöhten Erwärmung führen. Bezogen auf einen Zeitraum von 20 Jahren quantifizieren die Verfasser der Studie den Einfluss auf den Strahlungshaushalt der Erde dieser Methanemissionen auf ungefähr denselben Wert wie durch CO2, das bei der Verbrennung von Erdgas freigesetzt wird. Ein Mehrgewinn für eine Minderung des anthropogenen Einflusses auf das Klima sieht anders aus.

Der Strahlungsantrieb verursacht durch Methan im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter wird mit ungefähr 1 W/m2 beziffert. Verglichen dazu wird der Einfluss von CO2 auf 1,7 W/m2 beziffert. Natürlich ist der Gesamteinfluss von CO2 derzeit noch höher, aber mit Änderungen des Methangehalts in der Atmosphäre könnte sich das ändern. Ein Pluspunkt, wenn man das so nenne möchte, hat Methan hingegen. Es wird deutlich schneller aus der Atmosphäre entfernt, als zum Beispiel CO2. Das hat auch auch zur Folge, dass eine schnelle Reduktion der Methanemissionen eine effektive Reduzierung der kurzfristigen Erwärmung zur Folge hätte.