Chemtrails die vermeintlichen Beweise

Die Morgenpost leitet einen Artikel folgendermaßen ein: 

"Klimakollaps durch angebliche Wettermanipulation? Die vermeintlichen Beweise der Chemtrail-Verschwörungstheorie auf dem Prüfstand."

Nun bringen wir den Artikel selbst auf den Prüfstand.

Vorab ist es nichts daran auszusetzen, dass in den Medien darüber geschrieben wird, wie man Verschwörungstheorien wie die der Chemtrails entkräften kann. Menschen sollen darüber aufgeklärt werden, was dahinter steckt oder eben nicht. So hat die Morgenpost einen Artikel (http://www.morgenpost.de/)  veröffentlicht der sich mit dem Thema Chemtrails auseinander setzt. 

Die Aussage: “Wir fassen die Fakten zusammen und stellen klar, ob von Chemtrails wirklich eine Gefahr ausgeht.” ist ja zum Einstieg schon ein wenig problematisch, da sie indirekt die Existenz von Chemtrails bestätigt. Man hätte es vielleicht etwas umformulieren müssen, etwa: ob Chemtrails wirklich existieren und wenn ja, ob von ihnen eine Gefahr ausgeht. 

Weiter kommt man (fast natürlicherweise) auf das Thema “Geoengineering”: “Tatsächlich gab es Versuche, bei denen Chemikalien aus Flugzeugen versprüht wurden. Die USA wollten die Klimaerwärmung mithilfe von Geo-Engineering abbremsen. Dabei sollten winzige Metallteilchen in die Atmosphäre eingebracht werden, etwa Aluminium. Diese reflektieren das Sonnenlicht und funktionieren wie ein künstlicher Schutzschild für die Erde.”

Diese Aussage ist etwas missglückt, denn Geo-Engineering ist weiterhin ein heißes Thema der Forschung. Prinzipiell geht es hierbei um das gezielte Einwirken auf das Klimasystem der Erde, um der anthropogen verursachten Klimaerwärmung entgegenzuwirken. Also ein Art “Plan B” für den Fall, dass alle Stricke reißen und man ungebremst auf ein Temperaturniveau zusteuert, dass nicht mehr für den Menschen tragbar wäre. Allerdings gibt es hierzu, was eine globale Implementierung angeht, nur Modellstudien dazu. Niemand hatte bisher auf globaler Skala Versuche durchgeführt, um das Klima zu beeinflussen. 

Deswegen ist auch der Anfang des nächsten Abschnitts nur bedingt richtig: “Die Idee wurde allerdings schnell wieder verworfen, weil sie viel zu teuer war und sich die Folgen nicht abschätzen lassen. So müssten besonders große Mengen von Substanzen nach oben gebracht werden, die Teilchen würden in alle Richtungen reflektieren und irgendwann kommen sie schließlich wieder zur Erde zurück.”

Denn verworfen wurde die Idee noch nicht. Beziehungsweise auch hier müsste man genauer sein, denn es ist richtig, dass es wahrscheinlich relativ teuer sein würde, dies global einzusetzen, aber das ist davon abhängig, welche Stoffe dafür eingesetzt werden sollen. Andererseits ist es korrekt, dass man die Folgen nicht bis ins kleinste Detail abwägen kann. Zu unsicher wäre der Ausgang. Woher man das weiß? Aus durchgeführten Computersimulationen. Nichts weiter wurde bisher mit Geoengineering gemacht - theoretische Überlegungen und Simulationen. 

“Begonnen hat alles bereits in den 40er Jahren. Damals versuchten die USA, mit dem sogenannten "Wolkenimpfen" das Wetter zu beeinflussen. Dabei versprühten Flugzeuge über kleinen Wolken Silberionen. Die Wolken sollten sich dann verdichten und ausgiebigen Regen spenden. Der Erfolg war jedoch mäßig, der Aufwand groß.”

Ja, das Wolkenimpfen hat seinen Ursprung in den 1940ern, als Forschern in den USA bewusst wurde, dass sie Wolken beeinflussen könnten. Damals war es noch Trockeneis, wobei heute oftmals Silberjodid verwendet wird und nicht wie im Text genannte Silberionen. Was hier wieder mit verdichtenden Wolken gemeint ist, kann man auch wieder nur erraten. Prinzipiell soll das Silberjodid dafür sorgen, dass sich der Niederschlagsprozess bzw. das Einsetzen dessen beschleunigt. Tatsächlich ist der Erfolg des Wolkenimpfens relativ gering. Dachte man noch vor Jahren, es wäre quasi der heilige Gral für aride Gebiete endlich mehr Niederschlag zu erzeugen, kommt man heutzutage auf ein Ergebnis, dass eher nüchtern ist. Forscher der Universität von Tel Aviv kamen nach über 50 Jahren an Messdaten zum Ergebnis, dass das Impfen sehr kleinen bis gar keinen Effekt auf den Niederschlag habe. 

Im nächsten Abschnitt geht es darum, dass “die Methode nur noch selten eingesetzt” wird , “etwa zur Abwehr von Hagel.” Was auch wiederum etwas problematisch ist, da der Satz suggeriert, man habe großflächig das Wolkenimpfen betrieben. Heutzutage gibt es zum Beispiel in Süddeutschland den Einsatz von sogenannten Hagelfliegern, die Gewitterwolken impfen sollen, damit diese vorzeitig abregnen und damit der Hagel reduziert werden soll. Allerdings ist es umstritten, dass dies wirklich eine Wirkung erbringt. 

Über weite Strecken ist nichts einzuwenden, bis zu diesem Absatz:

“Und Kondensstreifen bestehen nicht nur aus harmlosem Wasserdampf, sondern vor allem aus dem Treibhausgas Kohlendioxid und Stickoxiden im Abgas der Maschinen.” Ja, Kondensstreifen bestehen eigentlich nicht wirklich aus Kohlendioxid und Stickoxiden. Kondensstreifen, wie wir sie da oben sehen bestehen aus Eispartikeln. Die Gase, die dabei ausgestoßen werden können wir prinzipiell nicht sehen. Weiter suggeriert der Satz wieder, dass Kondensstreifen doch wieder gefährlich seien. Vielleicht müsste man dazu etwas genauer werden, da Kondensstreifen selbst einen Effekt auf das Klima und Auswirkungen auf die Klimaerwärmung haben. Allerdings haben diese tagsüber einen kühlenden Effekt, nachts einen Erwärmenden und im Mittel gibt es laut Studien eine geringe Erwärmung durch die Kondensstreifen allein. Allerdings problematischer ist der Ausstoß von CO2 und den Stickoxiden. Diese sind bekanntermaßen Treibhausgase und tragen zur Erderwärmung bei, haben also einen negativen Langzeiteffekt. Zwar wird darauf im Artikel eingegangen, aber man hätte durchaus etwas genauer sein können. 

Nun ist es wichtig und gut, darüber zu berichten, dass Chemtrails eine Illusion sind und es keine Gefahr durch Kondensstreifen ausgeht. Wir brauchen also nicht schreiend in ein Gebäude zu rennen, wenn wir die Streifen, die von Flugzeugen hinterlassen werden, am Himmel sehen. Prinzipiell wird das vom Artikel so vermittelt, allerdings schafft es der Artikel nicht immer ganz zwischen Chemtrails und Kondensstreifen zu unterscheiden, bzw. deutlich zu sagen: Nein Chemtrails gibt es nicht! Es sind nur Kondensstreifen am Himmel. Weiter vermischt man ein wenig Geoengineering und Chemtrails, was prinzipiell zweierlei Paar Schuhe sind. Mit etwas mehr Mühe hätte man einen sehr guten Artikel erstellen können. So ist er nur angemessen mit kleinen Fehlern.

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