Apfel der Selbstbestimmung?!

Für Menschen ist es wichtig über sich selbst zu bestimmen. Besonders dann, wenn es zur Entscheidung kommt: Beruf oder Familie. Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau ist hier von der Natur aus gegeben. Frauen tragen die Kinder aus. Männer müssen sie nur zeugen. Frauen stehen oft vor der KK-Frage: Kinder oder Karriere. Doch Firmen wie Apple oder Facebook wollen scheinbar dem entgegen gehen und die Frau stärker in ihrer Selbstbestimmung unterstützen.
Frauen haben ein großes Manko, denn sie können schwanger werden. Auf der einen Seite sind sie damit natürlich der wichtigste Bestandteil bei einer Familiengründung, aber auf der anderen Seite stehet die Arbeitswelt und schwanger in jungen Jahren erscheint dort eher ungünstig zu sein. Aus rein unternehmerischer Sicht ist es natürlich nicht von Vorteil, wenn eine Frau durch Schwangerschaft ausfällt und der Unternehmer sich um eine Aushilfe kümmern muss, gerade wenn diese erst kürzlich eingestellt wurde. Deswegen geben viele Frauen, auch wenn sie danach nicht gefragt werden dürfen, gerne beim Einstellungsgespräch an, sie hätten keinen Familienwunsch in naher Zukunft. Daher bleibt die Schwangerschaft für Unternehmen ein unkalkulierbares Risiko. Am attraktivsten für Unternehmen sind Frauen im jungen Alter und wenn sie ungebunden sind. Auch für die Frau selbst gilt sich in jungen Jahren zu entscheiden, ob sie Karriere oder Kind möchte. Später ist es vielleicht zu spät für ein Kind, oder eben für eine Karriere.
Frauen ist durch ihre biologische Uhr in gewisser Hinsicht ein Ultimatum gesetzt. Männer haben es da einfacher. Ihre biologische Uhr tickt quasi gar nicht, da sie quasi in jedem Alter Kinder zeugen können. Frauen hingegen haben nur eine begrenzte Zeit bis zu der sie Kinder bekommen können. Frauen haben es also bei der Karriere- und Familienplanung deutlich schwerer als Männer.
Social Freezing, soziales Einfrieren, soll die Frau bei ihrer Selbstbestimmung unter die Arme greifen. Sie soll damit selbst bestimmen können wann sie Kinder bekommt. Dahinter steht die Idee, dass Frauen in frühem Alter sich Eizellen entnehmen und diese einfrieren lassen können. Damit können sie, wenn sie nicht mehr auf natürlichem Weg schwanger werden können, spät noch Mutter werden, ob mit 45, 50 oder noch später. Es könnnte nach der Pille die zweite Revolution in der Selbstbestimmung der Frau sein. Dies würde auch bedeuten, dass sich die Frau nun bewusst zunächst für die Karriere, dann für die Familie entscheiden könnte. Karriere machen wird entkoppelt vom Kinder kriegen.
Firmen wie Apple oder Facebook bieten nun ihren Mitarbeiterinnen an, die Kosten für das Social Freezing zu übernehmen. Auf den ersten Blick sieht es nach einer Maßnahme aus, bei der beide nur gewinnen können. Die beiden Firmen stehen sowieso dafür neue Trends zu schaffen, auch in der Arbeitswelt. Es suggeriert, dass sich die Firmen um die Belange der Frau kümmert.
Es mag ein verlockendes Angebot sein, aber es erscheint in gewisser Weise wie der Apfel im Paradies. Es ist nicht die Frau die ihre Bestimmung damit komplett allein findet. Sie begibt sich vielmehr in die Hände der Firmen, die für sie die Mutterschaft bezahlen. Die Firmen würden sicherlich nicht das Social Freezing bezahlen, wenn sie daraus keinen Gewinn schlagen würden. Es muss sich also für sie lohnen. Mit diesem Angebot versuchen die Firmen natürlich das Verhalten der Frauen zu beeinflussen. Wir bezahlen, ihr bekommt dafür euer Kind erst später. Frauen können dann im besten Alter an die Firma gebunden werden. Keine störende Schwangerschaft oder störendes Kind kann damit die Leistung der Frau mindern. Was später ist interessiert die Firmen vielleicht nicht mehr. Denn auf einmal bestimmen die Firmen, wann eine Frau schwanger wird und wann nicht. Wieso jetzt schwanger werden? Später reicht doch auch.
Weiter stellt sich die Frage was passiert, wenn Social Freezing ein Erfolg wird und Firmen wieder anfangen weniger in ein gutes Familienangebot zu investieren. Vielleicht ist das bezahlte Social Freezing für Firmen lukrativer, als ein von der Firma unterstütztes Angebot, mit dem sich Beruf und Familie vereinbaren lässt. Wenn ein signifikanter Teil der Frauen beschließt das Kinderbekommen nach hinten zu verschieben, was passiert mit dem Rest der Frauen? Bekommen sie eine ähnliche Unterstützung. Werden sie vielleicht nicht sogar schief angeschaut, wenn sie nicht das Social Freezing in Anspruch nehmen? Warum für das Kind entscheiden, wenn man doch später das Kind nachholen kann? Die Firmen haben dadurch eventuell einen größeren Einfluss auf die Selbstbestimmung der Frau als man zunächst annehmen würde. Und was ist, wenn Frauen gar nicht durch Schwangerschaft an ihrem Aufstieg in der Karriereleiter scheitern, sondern vielmehr an einem Netzwerk aus Männern, die das verhindern.
Mit dem Angebot des Social Freezing wollen die Firmen die Frauen locken und ihr Verhalten beeinflussen. Es könnte zwar eine weitere Etappe auf dem Weg der Selbstbestimmung der Frau sein, aber die muss freiwillig sein, sonst ist es nicht die Revolution der Selbstbestimmung der Frau, sondern eher der Apfel aus dem Paradies.
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