Das mystische Einhorn - Der Mini-Tornado

Das Unwetter in Niedersachsen ist zwar schon etwas her, aber dennoch erwähnenswert. Schließlich wurde ein mystisches Einhorn der Meteorologie (wieder)entdeckt: der Mini-Tornado. Nun ja, eher von der BILD Zeitung wieder entdeckt. Ein Begriff der so nicht stimmt, aber leider immer wieder in den Medien auftaucht. 

Ein schweres Unwetter fegte Anfang Juli über den Nordwesten Niedersachsen und verursachte dabei schwere Schäden. Bäume wurden entwurzelt und ein Bauernhaus massiv beschädigt. Schwere Schäden sind nicht unüblich bei schweren Unwettern. Die mediale Aufarbeitung ist manchmal weiterhin verbesserungswürdig. 

Begrifflichkeiten werden durcheinander gewirbelt, fast so als wäre auch ein Tornado über den Schreibtisch des Autors jenes Artikels (Link zum BILD Artikel) gewirbelt. Und immer wieder taucht nach einem Gewitter mit schweren Schäden dieses eine mystische Einhorn auf: der Mini-Tornado. 

Natürlich wird so mancher argumentieren, dass es doch eigentlich egal sei was die Schäden angerichtet hat. Warum also über so eine kleine Begrifflichkeit streiten? Mag so sein, aber wenn man über etwas berichtet sollte man einfach korrekt über etwas berichten. 

Zumal der Begriff Mini-Tornado etwas verniedlicht, was gar nicht niedlich ist. Mini, das hört sich immer klein und putzig an. Wie die Minions, den kleinen, gelben Helfern aus “Ich - Einfach unverbesserlich”. Finden Sie sicherlich auch niedlich und putzig. Ein Tornado der Ihr Hausdach abdeckt finden Sie dann sicherlich nicht mehr niedlich. Oder würden Sie gerne lesen, dass Mini-G20-Krawallmacher Autos angezündet haben? Niedlich und putzig, nur weil sie nicht gleich die ganze Stadt angezündet haben?

Es gibt ihn einfach nicht den Mini-Tornado. Ja, es gibt verschieden stark ausgeprägte Tornados und danach sollte auch in den Medien unterschieden werden. Es gibt extra eine Skala nach der die Stärke eines Tornados bemessen wird. Die sogenannte Fujita-Skala, welche sich nach der erreichten Windgeschwindigkeit des Tornados richtet. Hierbei ist nicht(!) die Zuggeschwindigkeit des Tornados gemeint, sondern die auftretenden Windgeschwindigkeiten im Bereich des Zentrums. Da man allerdings meistens die Windgeschwindigkeit nicht direkt messen kann, werden die Windgeschwindigkeiten erst nach dem Ereignis anhand der verursachten Schäden abgeschätzt. 

Also kann man gerne von schwachen, mäßigen oder starken Tornados sprechen, aber eben nicht von sogenannten Mini-Tornados. Es gibt sie einfach nicht. Dennoch findet man den Begriff immer wieder in den Medien. Woher der Begriff stammt kann man nur mutmaßen. Vielleicht ist die Denkweise hier in Europa können gar nicht so starke Tornados wie in den USA auftreten. Höchstens ein kleiner Bruder davon, eine Art Miniaturausgabe der großen Tornados aus den USA. Sehr starke Tornados mögen vielleicht seltener in Europa sein (besonders starke Tornados sind übrigens gemessen an der Gesamtzahl auch in den USA seltener), aber sie können auch in Europa, sowie in Deutschland, auftreten, für erheblichen Schaden sorgen und so stark sein wie in den USA. Der Tornado von Pforzheim 1968 sei hier als Beispiel genannt (http://www.tornadoliste.de/pforzheim1968.htm).  Die Schäden damals waren enorm und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ähnliches wiederholt. 

Eine weitere schöne Stilblüte aus dem Artikel der BILD ist übrigens folgender: “In Hanstedt (bei Wildeshausen) fegte offenbar sogar ein Mini-Tornado, ein sogenannter Downburst, durch den Ort und hinterließ auf 300 Metern Länge eine 50 Meter breite Schneise der Verwüstung.” Hier wird wild mit Begriffen umher gewirbelt. “Mini-Tornado, ein sogenannter Downburst” ist ein sogenannter Schwachsinn. Mini-Tornado, wir ahnen es, gibt es nicht. Und ein Downburst ist letztendlich etwas anderes als ein Tornado. Ein Downburst ist eine sogenannte Fallböe. Hier stürzt die Luft zusammen mit dem Niederschlag herab und verursacht große Schäden, da Orkangeschwindigkeiten (über 120 km/h) erreicht werden. 

Es entsteht dabei auch ein charakteristisches Schadensbild, an dem zusätzlich sichtbar wird, dass ein Downburst kein Tornado ist. Bei einem Downburst zeigt sich ein flächiges Schadensmuster, das durchaus eine Schneise bilden kann. Aber die Schadensrichtung, zum Beispiel die Fallrichtung von Bäumen weisen in eine Richtung. Bei einem Tornado weisen Bäume eine unterschiedliche Fallrichtung auf. 

Durch den Artikel der BILD kann man auch auf einen weiteren Mini-Tornado der BILD stoßen. 

http://www.bild.de/regional/koeln/tornado/junge-vom-bolzplatz-52071250.bild.html

Gleiches lässt sich zum Beispiel auf welt.de finden:

https://www.welt.de/vermischtes/video165295797/Hier-stuermt-ein-Mini-Tornado-ueber-den-Bolzplatz.html

Hier springt ein Junge durch einen Mini-Tornado. Aber auch hier ist es kein Mini-Tornado, aber auch kein normaler Tornado, sondern ein anderes Phänomen - ein sogenannter Staubteufel, im Deutschen auch als Kleintrombe bezeichnet. Dieses Phänomen entsteht fernab jeglicher Gewitterwolke durch einen stark erhitzten Untergrund. Vorzugsweise passiert das im Sommer auf Oberflächen wie sie auf Bolzplätzen wie diesem zu finden sind. Zum Beispiel auf staubigen Oberflächen, aber genauso auf Ackerflächen usw.. Erhitzt sich der Boden sehr stark kann die Luft aufsteigen. Windscherung, also Änderung der Windrichtung und/oder -stärke mit der Höhe kann dann zu einer Rotation führen und es entsteht ein Wirbel mit senkrechter Achse. Sichtbar werden diese Wirbel aufgrund des Materials welches von diesem hochgewirbelt und verfrachtet wird. Am besten ist dies eben auf staubigen Oberflächen zu sehen, woher sie zum Beispiel auch ihren Namen haben.  

Auch hier wird ein Staubteufel fälschlicherweise für einen Mini-Tornado (den es nicht gibt) gehalten: http://www.bild.de/regional/leipzig/festivals/mini-tornado-fegt-festival-zelt-weg-52035480.bild.html

Man braucht nur ein bißchen zu suchen und man findet sehr viele Mini-Tornados, die es gar nicht gibt. Leider ist es anzunehmen, dass sie weiterhin in den Medien Bestand haben werden. 

Hier ein paar Beispiele:

https://www.tag24.de/nachrichten/mini-tornado-windhose-sturm-unwetter-halle-westfalen-gerry-weber-stadion-holz-speckmann-feuerwehr-wind-verwuestung-262299

http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2854134/

https://www.news.at/a/wetter-tornado-wien-8224595

http://www.mz-web.de/saalekreis/superzelle-im-saalekreis-minitornado-fegt-ueber-die-autobahn-26985256

http://www.radiogong.com/mini-tornadosinmainfranken.html

http://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/windhose-halle-schaeden-100.html

 

Es ist einfach schlichtweg falsch und man kann nur hoffen, dass es ausstirbt, dieses mystische Einhorn des Mini-Tornados.

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